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Hier finden Sie Texte aus den BlaueStunde-Lesungen des Jahres 2005, Teil A, von
Elisabeth Esch Karl Farr Erwin Gehrmann Anna Jakubowicz Lev Kazarnovskij Helen Stahlschmidt |
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Lebensreise am Anfang deiner Lebensreise. Deine Tasche ist gepackt mit Träumen, mit Broten für den Lebenshunger und Wasser für den Wissensdurst. Du wartest am Straßenrand der Hoffnung, dass das Glück dich abholt. Doch nur die Laster des Lebens halten an, wollen dich mitnehmen auf der Überholspur der asphaltierten Gefühle. Ihr Profil ist längst abgefahren. Der Tachometer der Versuchung steigt. Du gehst zu Fuß. Meilensteine ziehen vorbei, Steingesichter, weiß und fahl, ohne Ausdruck, nur mit Hohn, zeigen die verlorenen Jahre. Wegweiser zeigen dir rechts und links: Nirgendwo und Niemandsland. Du wählst die Umleitung und gehst weiter. Zugvögel fliegen am Horizont. Vielleicht kehrt mit ihnen die Hoffnung zurück. Helen Stahlschmidt |
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Zeitenwechsel Die Zeit ist schon seit Anbeginn Ein Zeitenwechsel stand dann an. Wohl oder übel sah man ein: Noch mancher Zeitenwechsel kam - Denn diesmal hat die Zeit gepatzt. Wer trotzdem auf ein Wunder hofft, Wenn man den Wechsel bilanziert Spätes Glück Der Arzt hat Schorch das Bier verboten, |
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sag keiner mir etwas von der Liebe sie ist wie die Pest wie ein Fluch der Götter Rache für ein kleines irdisches Leben sag keiner mir etwas von der Liebe sie ist wie das Feuer der Hölle wie eine tödliche Wunde sprecht nicht von der Liebe seid still seid still seid still
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D1962 (Sturmflut) Weißt du noch ? Als man durch das Heulen des Sturms die Martinshörner ununterbrochen hörte? Hamburg war unter Wasser. Und auch bei uns waren die Deiche gebrochen. Großvater lag im Sterben. Und wir Kinder standen beieinander und lauschten dem Treiben. 1994
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Auf dem Rummel Steigen wir ins Drachenboot, März 2004 |
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Bombendrohung
Gestern war eine Bombendrohung am Bahnhof. Ich war in der City in die U-Bahn gestiegen, um zum Hauptbahnhof zu gelangen. Mir gegenüber saß eine Blonde mit kurzem Haar, in einer Jeans und mit weißem Pullover, die mich ab und zu musterte. Nach der letzten Station vor dem Hauptbahnhof gab der Schaffner plötzlich durch, dass er „durchfahren" würde. Warum und weswegen sagte er nicht. Keine Unruhe oder Unmutsäußerungen in der Bahn. Tatsächlich fuhr er beim „Hauptbahnhof“ durch und ich sah, dass diese Station menschenleer war. Erst an der nächsten Station erfuhren die Fahrgäste von einem Sicherheitsmitarbeiter, dass es Bombenalarm gegeben hatte. So blieb mir nichts anderes übrig, als die Zeit sinnvoll totzuschlagen, um dann nach Aufhebung des Alarms meine Fahrt fortzusetzen. Das Ganze hat über eine Stunde gedauert. März 2004 |
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Ein letztes Mal Deine müden Hände halten den letzten Blumenstrauß umwunden mit abgebeteten Perlen deines alten Rosenkranzes ein letztes Mal Abschied nehmen zweifelndes Hoffen auf ein Widersehen jenseits der Dunkelheit Blind folgte ich deinem Duft Rose sagen die Menschen zu dir ich griff nach dir mit deinem Dolch stachst du mich blutig ich merke mir Rosen tragen gefährliche Waffen Hoffnung eine einzelne gelbe Rose blüht geschützt vor der Tannenhecke in den Herbst blüht trotzt erstem Frost blüht als gäbe es kein Morgen Häutung
Ich entblättere mich Blatt für Blatt keines unbeschrieben Schicht für Schicht die Haut wird dünner durchlässiger schutzloser vor Außeneinflüssen saurer Regensprache manchmal frage ich mich bin ich Rose Margerite oder Zwiebel Wenn am Fluss die dunklen Unken abends in das Wasser tunken sitzen Fröschlein auf einem Blatt kommt ein Storch und frisst sich satt spinnt sich die Spinne einen klebrigen Faden fürs Netz will sich an Fliegen laben unter Wasser die Forelle schnellt heraus mit Windesschnelle glaubt eine Fliege gefangen zu haben hängt an einem Angelhaken singt die Nachtigall im Strauch das hört die schwarze Katze auch Raubvögel kreisen hoch im Blau Feldtiere verlassen den Bau auf Nahrungssuche für die Brut das tut nicht gut am Abend schießen Jäger Hasen die über grüne Felder rasen ach ja das Röslein sah ein Knab’ ein Röslein stehn ihr wisst was dem Röslein ist geschehn
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Den Genüssen zahlen wir ihren Zoll: All die Tonnen verdauter Fette, all die mit Alkohol und Lüsternheit verbrachten Nächte machen sich schließlich bemerkbar. Dem einem schmerzen die Knochen vorm Gewitter, beim anderen mehren sich die Rettungsringe am Bauch ... Es stimmt nicht, dass uns die Jahre älter machen! Die Jahre rächen sich bloß unbarmherzig an uns! Ein Blick aufs Gruppenbild - Es gibt nicht selten Zeitgenossen, Rühr den Ameisenwinzling nicht an, Wir kennen unzählige Beispiele, (Aus dem Russischen von Ludmila Kloss) |
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