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Der Gießerjunge
Nr. 2
März / April 2006
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Lesestunde gefällig?
dann hin zur Blauen Stunde in der Destille |
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15.01.2006 16.25 Uhr |
| Noch ist es im Düsseldorfer Altstadtlokal „Destille“ leer. Es wirkt, als wären die Türen gerade aufgeschlossen worden. Der Duft des Mittagstisches...
... ist bereits verflogen.
Die ersten Gäste besetzen wenige Tische. Die Organisatorin und Moderatorin des Literaturtreffs, Elisabeth Esch, richtet bereits die Bühne, der Tisch mit den Veranstaltungshinweisen und Büchern ist längst fertig. Das Mikrofon muss noch eingestellt werden. Der Musiker Alexander Hüsch spielt seine auf dem Klavier ein. Stühlerücken. Im Lokal wird es lauter. Weitere Gäste rücken an. Das Personal wird langsam hektisch. Die neuen Gäste beginnen zu bestellen.
Die Geräuschkulisse wird immer lauter. Es treffen sich Bekannte, man erkennt sich. Laut schallt es: „Hallo, bist du heute auch wieder dabei?“ Einige Gesichter wenden sich dem Rufer zu. Empörte Blicke. Etwas leiser würde es doch auch gehen.
Ein Glas klirrt. Für Sekunden ist Ruhe im Lokal. Dem Kellner ist ein Missgeschick passiert. „Das kommt mal vor.“ Die Hälse recken sich, bis die Ursache des Klirrens erkannt ist oder sich herumgesprochen hat.
Es ist kein Platz mehr frei. Die zuletzt gekommenen Gäste müssen mit Stehplätzen vorlieb nehmen. Die Moderatorin betritt die Bühne. Sie hält das Mikro in der Hand und begrüßt die Gäste. Sie ist nicht zu hören. Noch nicht. Erst eine Fahrradglocke, mit der die Germanistin sich Gehör zu verschaffen weiß, bringt die Gäste zum Schweigen. Nun zeigen die Lautsprecher ihre Wirkung. Die vorlesenden Autoren werden vorgestellt. Das Klavier erklingt mit melancholischen Weisen. Es beruhigt die Gemüter der Gäste, zieht sie endgültig in die laufende Veranstaltung herein.
Nacheinander treten die Vortragenden auf die Bühne, setzen sich an den Tisch, stellen sich das Mikro in Position. Dann wird vorgetragen. Manchmal leise, manchmal laut, manchmal emotionslos, dann wieder voller Energie. Die vorgetragenen Texte und Gedichte stammen meist aus der eigenen Feder, oder aber aus der des Lieblingsschriftstellers.
Die Gäste lauschen gebannt. Hin und wieder ist ein leises Murmeln zu hören. Da klimpert ein bisschen das Geschirr am Tresen. Plötzlich ein lautes Lachen im Lokal. Die Pointe ist angekommen. Nur kurze Zeit des Atemholens bevor weiter vorgetragen wird. Dem Lachen folgt wieder stilles Zuhören.
Dann ein kleiner Werbeblock, der wie immer eine kurze Pause einleitet.Die Moderatorin nennt Lese- und Kulturtermine und trifft auf interessiertes Publikum, anders als im Fernsehen.
Der Lärm schwillt an. Die Gäste haben sich etwas zu erzählen. Hier und da noch eine kleine Begrüßung. Bis die Pause endlich beendet ist. Das Programm wird fortgeführt. Musik, Texte und Gedichte. Einige Da Capo-Rufe. Erneut Musik.
„Das war doch wieder ein schöner Nachmittag“, beim Hinausgehen.
TIPP: Der Literaturtreff „Blaue Stunde“ findet jeden ersten Samstag im Monat in der „Destille“, Bilker Str. / Ecke Schwanenmarkt, um 17:00 Uhr statt. Bildende Künstler erhalten ihre Plattform in der DESTILLE Onlinegalerie für 24 Stunden am Tag. (www.destille-duesseldorf.de)
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Der Gießerjunge
Nr. 1
Januar / Februar 2005
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Mit Versen in die Kneipe
Bei der "Blauen Stunde" in der Destille lesen und lauschen Autoren und Publikum schönen Gedichten und Geschichten.
Von Alexander Sora
„Wer wird die Liebe in den Zähnen/ ans andere Ufer retten können?“ Der Klang der Verse des ungarischen Dichters Nagy Laszlo lässt die Künstlerkneipe "Destille" erschaudern. Kein Glas wird mehr zur Hand genommen, kein Bissen gegessen. Mehr als 80 Zuschauer können ihre Aufmerksamkeit keine Sekunde lang von der schlichten kleinen Bühne lösen, auf der die Ungarin Susanne Karczag mit melancholischem Pathos Gedichte aus ihrer Heimat vorträgt.
Sogar der anschmiegsame Yorkshire-Terrier , Elfriede (jede Ähnlichkeit mit Vornamen literarischer Größen ist natürlich zufällig) lauscht mucksmäuschenstill und blickt neugierig auf die Bühne. Schließlich sei es nicht der erste Besuch des kulturliebenden Vierbeiners im Literaturforum „Blaue Stunde“, erzählt Elfriedes Frauchen stolz. Dieses Literaturforum gibt es seit fast einem Jahr jeweils am ersten Samstag des Monats in der Kulturkneipe auf der Bilker Straße. „Es ist wichtig, dass freischaffende Autoren hier die Wirkung ihrer Texte aufs Publikum erproben können“, sagt Elisabeth Esch, die Organisatorin des Forums. Wer sich trotzdem noch nicht traut, eigene Texte vorzutragen, kann in der „Blauen Stunde“ fremde Werke vorlesen. Und auch Musik kommt hier nicht zu kurz: Komponisten können hier ihre Werke am Klavier vorspielen, wie heute der talentierte Andreas Hüsch.
Die Germanistin und Pädagogin Esch hat selber mehrere Lyrikbände veröffentlicht. „Literatur spielt eine zentrale Rolle in meinem Leben“, erzählt die sympathische 55-Jährige. „Durch das Schreiben lernt man neue Seiten seines Ichs kennen.“
Von den jüngsten Semestern der Heine-Uni bis zu über 70-Jährigen sind bei der „Blauen Stunde“ alle Altersgruppen vertreten. „Man ist natürlich aufgeregt, wenn man auf der Bühne liest, aber das vergeht schnell“, gesteht die lebensfrohe Rentnerin Gerda Chertmann. Seit 20 Jahren schreibt die Düsseldorferin Gedichte, zwei Bände hat sie im Selbstverlag herausgegeben. „Meine Gedanken schreien geradezu danach, auf Papier gebracht zu werden!'“ Und ihre philosophischen Gedichte und Aphorismen begeistern das Publikum der Destille - genau wie zum Beispiel die verspielten lyrischen Experimente der Kroatin Ruzica Namjesnik oder die realistischen Kurzgeschichten von Astrid Hoerkens-Flitsch.
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WZ Düsseldorfer Nachrichten,
7.12..04 |
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Nr. 6
Nov./Dez. 2004
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WZ Samstag, 5. Juni 2004
Plattform für junge Schriftsteller
(mem). Kurzgeschichten zum Kaffee an der Bar. Romanauszüge zum guten Rotwein oder Gedichte zum Glas Bier - die Literaturszene Düsseldorfs ist seit Anfang des Jahres um eine Plattform reicher. Die Inhaberin der "DESTILLE", Christiane Walter, und die Germanistin Elisabeth Esch laden einmal im Monat zum Literaturtreff in die Bilker Straße 46 ein. "Blaue Stunde" heißen diese literarischen Nachmittage, die immer am ersten Samstag eines Monats stattfinden. Das neue Forum für Schriftsteller und Literaturinteressierte ist inzwischen schon so beliebt, dass in der "DESTILLE" regelmäßig nur noch schwer ein Sitzplatz zu bekommen ist.
"Wir wollen jungen Autoren eine Möglichkeit bieten, mit ihren Werken vor Publikum zu treten", erläutert Christiane Walter. Der Literaturtreff ist gedacht als eine Art Marktplatz. Jeder Nachmittag steht unter einem Motto. Ansonsten können Autoren mit allem, was passt, auftreten. "Auch wer einen fremden Text kennt, kann ihn vorlesen", sagt Christiane Walter. Die "DESTILLE" war früher schon einmal der Treffpunkt der Düsseldorfer Literaturszene.Diese Tradition möchten die beiden Frauen nun gerne wiederbeleben. Erfolg haben sie schon. "Seitdem der Literaturtreff läuft, melden sich immer mehr Autoren", erklärt Christiane Walter. Und: "Bei uns wird nicht zensiert."
Etwa zehn Minuten darf jeder Kurzauftritt beim Literaturtreff dauern. Der nächste ist ausnahmsweise an einem Sonntag, morgen um 17 Uhr, und hat das Thema "Souvenirs".
Informationen gibt es unter Tel. 0211 / 87 66 990
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Düsseldorfer Anzeiger, Juni 2004
Souvenirs für blaue Stunden
Rrrring! Schrilles Klingeln erfüllt den Kneipenraum. Elisabeth Esch betätigt voller Freude ihre chinesische Fahrradklingel - ein ziemlich lautstarkes Souvenir aus Peking. Nach und nach verstummt das gemütliche Sonntagnachmittags-Gemurmel in der Destille an der Bilker Straße. Die 55-Jährige weiß, wie sie sich Gehör verschaffen kann.
"Herzlich willkommen zum Literatur-Treff Blaue Stunde", ruft sie einem bunt gemischten Publikum entgegen. "Souvenirs sind Erinnerungen, die man von wirklichen oder nur geträumten Reisen mitbringt. Heute lesen drei Künstler aus einigen ihrer Lieblingser-innerungen." Die drei Vortragenden sitzen bereits mit angespannten Gesichtern auf dem Podium. Nervöses Papierrascheln wechselt sich mit Räuspern ab. Doch zunächst entspannt Andreas Hüsch Künstler und Publikum mit selbst komponierten Klavierstücken..
Adolphe Leuchtenberg, Maler und Schriftsteller, beginnt mit Beispielen seiner Assoziationslyrik. Für ihn spricht Sehnsucht aus jedem Souvenir - Sehnsucht nach den Paradiesen, die man sich erträumt. Verbunden mit dem Dilemma, dass man stets will, was man nicht haben kann und dort hin will, wo man nicht sein kann.
Die 39jährige Jutta Saum dagegen "steckt" mit einem Souvenir zum Beispiel "ganz Brasilien in die Tasche" und weiß doch, dass "nichts so lange bleibt, als dass man es behalten könnte".
Nach den kürzeren Texten der beiden Künstler, die zum ersten Mal in der Destille lesen, erzählt die Malerin Elisabeth Luchesi skurrile Geschichten von "Parallelidiotien" und kleinen Katern, die wie Käfer unter der Rinde eines Baumes wohnen. Diese "Lesefrüchte" sind absurd und ernten herzliches Lachen. "Darauf hatte ich gehofft", sagt die Künstlerin am Ende der Lesung. Gelöst und glücklich sind nun alle drei. Luchesi: "Welch ein schönes Gefühl, seine Text-Souvenirs mit einem so netten Publikum zu teilen."
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"Destille": Literaturtreff
Blaue Stunde in der Kneipe
Von BIRGIT KRANZUSCH
STADTMITTE. Die Kaffeemaschine brummt,es riecht nach frisch gebackenem Kuchen und im Hintergrund spielt sich Andreas Hüsch am Klavier warm. Wer am vergangenen Samstagnachmittag einen Sitzplatz in der "Destille" suchte, musste früh kommen oder sich an der Bar zufrieden geben, denn der Andrang zur "Blauen Stunde" war groß. "Fundstücke" lautete das Thema der Lesung, die seit März jeden ersten Samstag im Monat in der Destille Literaturliebhaber zusammenkommen lässt.
Die "Blaue Stunde" ist ein Literaturtreff, bei dem frei schaffende Autoren ihre Werke einem Publikum vorstellen. "Wir wollen die Tradition der Destille als Treffpunkt der Düsseldorfer Literaturszene wiederbeleben", sagt Elisabeth Esch, die den Treff ins Leben
gerufen hat. Auf einer kleinen Bühne an einem Holztisch sitzend, im Rücken den Pianisten, präsentierten am vergangenen Samstag vier Autoren Gedichte und Kurzgeschichten, ließen Einblicke in persönliche Erlebnisse zu, erinnerten sich an Fundstücke, die ihr eigenes Leben geprägt haben. Darunter auch Gepa Klingmüller, die eigene Gedichte vorlas.
"Mit dem Literaturtreff erhoffe ich mir, eine Gemeinsamkeit mit neuen Leuten im Sinne der Dichtung zu finden", so die Lyrikerin. Erfahrungen mit der Veröffentlichung von Texten auszutauschen und über eigene Werke zu sprechen gehört auch dazu. "Erst durch die Lesung vor Publikum bekommen die eigenen Gedanken einen Klang, werden die Wörter zu Musik", so Klingmüller. Ein Klang, der bei den Zuhörern ankam Viele lauschten mit geschlossenen Augen, andere nickten bestätigend aufgrund eigener Fundstücke im Leben.
Nur ein so genannter Werbeblock, bei dem sich Düsseldorfer Kulturinstitute vorstellen und Veranstaltungen präsentieren können, unterbricht die Lesung. Oder das Knattern der Milchaufschäummaschine und die Schritte der Kellner, denn Getränke und Essen gibt es während der gesamten Lesung. "Es gibt nichts Schlimmeres, als Texte zu hören, ohne etwas zu Trinken oder zu Essen zu haben," so Esch.
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9. März 2004

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